Intuitives Essen
Körperlichen und emotionalen Hunger erkennen, Frieden mit dem Essen schließen und Sättigung spüren – Abschied von der Diätpolizei.
„Ich mache seit Ewigkeiten Diät – 5 Kilo runter, 3 Kilo wieder rauf.“ „Ich tracke alles, was ich esse und trinke, mit einer App, aber irgendwie ernähre ich mich trotzdem nicht richtig.“ „Ich habe Kohlenhydrate gestrichen, aber ich hätte so gern ein Stück Baklava.“
Wenn Ihnen solche Sätze bekannt vorkommen, ist intuitives Essen genau das Richtige für Sie!
Intuitives Essen bedeutet, die Hunger- und Sättigungssignale Ihres Körpers wahrzunehmen und nach seinem Bedarf zu essen. Im Grunde ist es das Gegenteil einer klassischen Diät. Die Grundidee: essen, wenn man hungrig ist, und aufhören, wenn man satt ist. Leichter gesagt als getan – denn nach einem guten Essen hätten die meisten von uns gern noch ein Dessert, oder? Wie entscheiden wir also, ob wir unserer Intuition vertrauen und essen oder nicht?
Den eigenen Hunger erkennen
Es gibt zwei Arten von Hunger: körperlichen und emotionalen.
Körperlicher Hunger ist ein biologischer Trieb. Er sendet Signale: Der Blutzucker sinkt, der Magen knurrt, wir werden müde. So wenig, wie wir beschließen können, weniger zu atmen, weil wir heute „schon genug geatmet“ haben, können wir bei körperlichem Hunger das Essen verweigern. Hunger zu haben und zu essen ist ein Grundbedürfnis – genau wie das Atmen.
Emotionaler Hunger entsteht aus emotionalen Bedürfnissen. Traurigkeit, Stress, Einsamkeit, Traumata – und manchmal auch Freude – können Heißhunger auslösen. Nach dem Essen folgen oft Schuldgefühle oder ein Wohlgefühl, das nicht lange anhält.
Wer erkennt, welcher Hunger sich gerade meldet, kann mit intuitivem Essen viel leichter darauf reagieren.
Frieden mit dem Essen schließen
In letzter Zeit haben eingängige, aber falsche und absolute Aussagen in den Medien – „Kohlenhydrate sind schädlich“, „Vollmilch sollte man meiden“ – unsere Köpfe mit Fehlinformationen über Ernährung gefüllt. Doch die Lebensmittel, die die Menschheit seit Jahrhunderten ernähren, sind nicht unsere Feinde.
Um intuitiv zu essen, müssen wir Frieden mit dem Essen schließen. Kein Lebensmittel sollte als schlecht, ungesund, schmutzig oder sauber abgestempelt werden. Essen ist für uns alle etwas Schönes – und wenn wir wirklich mit allen Sinnen auf unseren Körper hören, verstehen wir seine Signale viel besser und genießen ohne Reue.
Das Wichtigste beim intuitiven Essen ist, ungünstige Essgewohnheiten loszulassen und Frieden mit dem Essen zu schließen. „Ich darf niemals Kohlenhydrate essen“ ist die Stimme der Diätpolizei und fördert Schwarz-Weiß-Denken. Das Leben ist aber ein Regenbogen voller Farben und Gefühle – auch Grautöne verdienen ihren Platz.
Sättigung spüren
Eine weitere Lektion auf diesem Weg ist, die eigene Sättigung zu spüren. Wer damit aufgewachsen ist, dass der Teller immer leer gegessen wird, merkt schnell, wie sehr das dem intuitiven Essen widerspricht. So übergehen wir unser Sättigungsgefühl – eine ganz einfache körperliche Reaktion – und essen nur auf, um aufzuessen.
Ebenfalls ungünstig: aus Angst vor Hunger zu viel zu essen oder so schnell zu essen, dass das Sättigungshormon gar nicht wirken kann. Halten Sie beim Essen ab und zu inne und fragen Sie sich: Wie fühle ich mich gerade? Wie schmeckt mir das? Möchte ich weiteressen?
Emotionales Essen
Emotionales Essen zu verändern ist sicher etwas schwieriger, als das Sättigungsgefühl wahrzunehmen – denn zuerst müssen wir lernen, mit unseren Gefühlen umzugehen, ohne Essen zu Hilfe zu nehmen. Essen mag uns im ersten Moment trösten oder Traurigkeit und Sorgen vergessen lassen, eine dauerhafte Lösung ist es nicht. Wenn sich das Problem nicht sofort lösen lässt, können Musik, ein Spaziergang, ein Gespräch mit Freundinnen und Freunden oder Meditation helfen, sich zu entspannen und nicht impulsiv zu essen.
Intuitives Essen wurde 1995 erstmals von Evelyn Tribole und Elyse Resch beschrieben und ist in den letzten Jahren ein beliebtes Forschungsthema geworden – vielleicht, weil uns das moderne Leben von uns selbst entfernt hat. Was künftige Studien über seine Wirkung und seinen Nutzen zeigen werden, weiß ich nicht. Aber mir als Ernährungsexpertin hilft es ganz sicher bei der Entscheidung, ob ich nach dem Abendessen noch ein Dessert esse.